Die Tribute von Panem – Mockingjay: Teil 1 [Kritik]

Ms. Everdeen, it’s the things we love the most that destroy us.

Das war mal ein Cliffhanger. Vor einem Jahr wurde der Kreislauf der jährlichen Hungerspiele für uns Zuschauer gebrochen. Katniss Everdeen, zunächst Liebling der Massen und später Intimfeind von Präsident Snow, wurde vom untergegangen geglaubten 13. Distrikt aus den Spielen gerettet. Peeta, der Katniss mittlerweile ans Herz gewachsen ist, blieb jedoch zurück. Werden sich die beiden je wieder in die Arme nehmen können?

Um das zu erfahren muss man in den dritten und letzen Teil der… Moment mal. Das ist ja gar nicht der letzte Teil! Genau wie beim letzten Harry Potter Film spaltet man die Geschichte des abschließenden Buches in zwei Teile auf und bringt sie mit einem Jahr Abstand in die Kinos. Was man also momentan zu sehen bekommt ist nur der Vorgeschmack auf das Finale der Filmreihe. Und dieser Geschmack ist ein wenig bitter, denn man fragt sich automatisch: Steckt denn genug Inhalt in dem Buch, damit man zwei ordentliche Filme á 120 Minuten daraus machen kann? Die Antwort lautet: Nicht ganz. Man merkt Mockingjay Teil 1 hin und wieder schon seine künstlichen Längen an.  Zwar hat man nicht irgendein Füllmaterial genutzt um den Film zu Strecken, dennoch ließe sich die Story des Films auch zügiger erzählen. Oftmals gibt es ein hin und her ob denn die Rebellion jetzt Katniss Unterstützung hat oder nicht, Dialoge zur gegenseitigen Überzeugung werden geführt, Albträume lassen uns in an Katniss Gefühlsleben teilhaben, etc. Das ist zwar alles sehr gut gemacht und verleiht dem Film viel Tiefgang für seine Protagonistin, dennoch ist es nicht das, was man von einem Kinofilm erwartet. Ein Kinofilm soll einen packen und umherschleudern, unser emotionales Empfinden in Höhen reisen und in Tiefen stürrzen. Das Hineinversetzen in eine Figur und deren Leiden ist zwar eine feine Sache, dann aber doch sinnvoller wenn ich mich auf längere Zeit mit ihr identifizieren soll, wie zum Beispiel bei TV Serien. Man kann das sowohl als Pluspunkt, als auch als Defizit des Film auslegen. Das kommt ganz auf den Zuschauer an. Aber Mockingjay Teil 1 + 2 würden voraussichtlich nach zusammen einen ordentlichen Filmkracher von 3 Stunden Länge hervorbringen, der jedoch wesentlich weniger Gewinn einfahren würde als die Zweiteilung der Geschichte.

Dabei ist die Geschichte durchaus interessant. War Catching Fire noch eine neue Version des allerersten Films, bei dem das Ende den Anlass zum großen Umbruch in der Filmwelt gab, so stellt Mockingjay Teil 1 die Zuschauer vor völlig neue Verhältnisse in der Welt von Panem. Die Spiele sind passé, stattdessen steht die Rebellion gegen das umbarmherzige Capitol im Vordergrund der Handlung. Katniss wird zum Leitbild in der Propaganda der Aufständigen, wie Peeta zum Propagandamittel des Capitols wird. Zwischendrin erlebt Katniss die Gräueltaten des Capitols, darf mal kurz etwas Action erleben, schwelgt in Erinnerungen und darf sich der Spannung wegen um das Wohlergehen ihrer Schwester bemühen (incl. obligatorischem Countdown).

Alles ganz nett, bringt aber die Handlung nicht wirklich voran. Zwar sind die Effekte allesamt gut (anfangs wirken sie noch etwas behäbig) und der Soundtrack erfüllt seinen Zweck, aber überragend ist das alles dann doch nicht. Auch Philip Seymour Hofman erfüllt seine Rolle gut und hat zwei sehr nette Momente im Film, bleibt am Ende jedoch nicht so sehr in Erinnerung wie gehofft. Game of Thrones Fans werden sich zwar über die Screentime von Natalie Dormer als Propaganda-Regisseurin erfreuen können, viel Tiefgang bekommt ihre Rolle aber leider nicht.

Generell gelingt es dem Film den Aufstand gegen das Kapitol anhand von exemplarischen Szenen gut einzufangen und dieses anhand seiner Verbrechen gegen die Menschlichkeit als Feindbild schlechthin zu charakterisieren. Natürlich leistet Donald Sutherland seinen Teil dazu bei indem er als Präsident Snow dieses Feindbild verkörpert.

Fazit: Wer unbedingt wissen möchte was Katniss nach ihrer Befreiung erlebt wird den Film eh sehen. Wer jedoch einen Film erwartet, der einen in seinen politischen Grundsätzen wachrütteln soll, der wird von der etwas zähen angeödet sein und den rebellischen  Funken des Films (in der Anbiederung seiner Erzählweise an das Serienformat) leicht übersehen.

Mockingjay_Teil1_Header

Titel: Die Tribute von Panem - Mockingjay: Teil 1
Länge: 123 min.
Regie: Francis Lawrence
Kinostart: 20. November 2014
Darsteller: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Donald Sutherland, Philip Seymour Hoffman, Juliane Moore, Stanley Tucci, Natalie Dormer, etc.

Wertung: 6.9 / 10

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.