Always online or mostly offline? – Die Grenzen von SVoD-Angeboten

Ich liebe die Möglichkeit jede Serie und jeden Film on Demand zu sehen. Warum sollte ich als Film- und Serien-Junkie diese Möglichkeit auch nicht lieben? Man zahlt einen monatlichen Betrag an einen der vielen VoD-Anbieter und erhält dafür jederzeit Zugriff auf ein großes, gemischtes Angebot von Serien und Filmen. Wenn man zum ersten Mal hinter die Bezahlschranke blickt, scheint das Angebot viel größer als das man es jemals in seiner Gesamtheit ausschöpfen könnte. Es scheint in diesem Augenblick fast so, als ob hätten sich die indirekten Versprechungen der einzelnen Anbieter bewahrheitet:

„Befreie dich von den starren Sendezeiten der TV-Sender und schaue was du willst, wann du willst ohne Einschränkungen.“

It was a very good year

Als ich damals zum Start von Watchever deren Kunde wurde, war ich geplättet. Nicht nur, dass ich auch über meine PlayStation3 bequem Zugriff an meinem Fernseher hatte und erstmal zwei Stunden da saß, um das Angebot überschauen zu können. Watchever führte sogar teilweise Titel, von denen ich vorher nie etwas gehört hatte, die aber anhand ihrer Beschreibung und der Trailer sehr ansprechend klangen. Und dann waren da noch Titel, die ich schon immer mal sehen wollte, aber die entweder nie im Free-TV liefen oder deren Einzelerwerb als DVD kostspielig gewesen wäre. Ich denke da beispielsweise an die Abenteuer von Captain Future und seinen Freunden, die man heute nur noch mit Glück zu selten im TV findet oder für mindestens 200€ als ausverkaufte DVD-Box kaufen kann. Klar, dem wahren Fan ist es das allemal wert. Aber wenn man nur mal wieder sein Retro-Verlangen stillen möchte, dann ist das eindeutig zu teuer. Zudem ist der Instant-Versand noch nicht erfunden. Bis das ersehnte Päckchen eintrifft ist das Retro-Verlangen meist schon wieder abgeklungen.

Da bleibe ich doch lieber beim on Demand Streaming, beginne endlich mit den Sopranos und bin von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt. Ja, mehr sogar noch! Ich schaute damals einzelne Folgen, manchmal sogar ganze Staffeln, mehrfach an, weil die Serie einfach großartig ist! Die Welt von Tony Soprano und seinen beiden Familien (der echten und der beruflichen Familie) ist einfach zu spannend und vielseitig, als das ich sie hätte außer Acht lassen können. In mir stimmte sich damals das wohlig warme Gefühl ein, dass die paar Euro im Monat gut angelegt waren.

Vesuvio

Zeitsprung ins Jahr 2015: Ich befinde mich im ständigen Stress zwischen der Abschlussprüfung und den etlichen Bewerbungen. In einer ruhigen Minute stoße auf einen Verweis an Die Sopranos und sofort ist das alte Gefühl wieder da. Ein schneller Blick in das aktuelle VoD-Angebot sagt mir aber, dass bei keinem der deutschen SVoD-Anbieter Die Sopranos im Angebot enthalten ist. Also weder bei Watchever, Amazon Prime oder Netflix. Der Grund dafür ist einfach, die Rechte zum Streamen der Serie wurden nicht verlängert. Dabei ist es egal, ob die Streaming Anbieter nicht mehr verlängern wollten oder die Inhaber der Verwertungsrechte für Die Sopranos von einer Verlängerung der Streamingrechte absahen. Mit einer einfachen Mitgliedschaft kann ich Die Sopranos also nicht mehr sehen. Eine kurze Analyse der überausnützlichen Seite Werstreamt.es zeigt mir jedoch, dass ich die einzelnen Folgen oder sogar die ganze Staffeln gerne bei diversen Anbietern als Download oder zum Streamen kaufen kann. Aber bei mindestens 20 € pro Staffel oder 140€ für die gesamte Serie – rein digital, kein physischer Datenträger – überlege ich mir das zweimal.

Was sind meine Alternativen? Das illegale Streamen über dubiose Websites mit Pop-up Werbung entfällt aufgrund rechtlicher und moralischer Gründe. Der halblegale Weg auf Youtube nach einem übereifrigen Fan zu suchen, der Folgen spiegelverkehrt oder verfremdet hochgeladen hat, bleibt ohne Ergebnis. Es bleibt einzig der Kauf der Serie auf DVD oder Bluray. Da liege ich dann bei Kosten zwischen 60€ (für die DVDs) und 100€ (für die Blurays) und habe wieder das Problem, dass die Datenträger nicht umgehend zur Verfügung stehen, wie es ein Videostream würde. Die Alternativen zum Videostream sind also für die heutige Zeit unbefriedigend.

Aus einer medienwissenschaftlichen Perspektive sei übrigens noch ein Kommentar zum Trend des Streamens von Filmen und Serien erlaubt. Natürlich ist es auch Sicht der Verwerter sinnvoller die Inhalte als Streams zur Verfügung zu stellen und damit regelmäßige Einnahmen zu haben. Die Alternative wäre eine Auswertung als Download oder Datenträger die einmalig Einnahmen generieren würde und für den Verbraucher sogar noch die Chance der Kopie oder des Weiterverkaufs beinhalten würde. Aber wie erhalten wir Serien und Filme, die unsere gegenwärtig populärsten Kulturgüter sind für künftige Generationen? Bilder, Statuen und Gebäude sind physisch vorhanden und können –richtig gelagert – Jahrhunderte oder noch länger überstehen. Aber filmische Kunst hat sich längst vom Zelluliod oder der DVD als Trägermedium gelöst. Neue Filmproduktionen finden vermehrt digital statt und werden auch so zur Verfügung gestellt. Aber die Existenzdauer eines Servers, der diese Filme zur Verfügung stellt ist im Vergleich zu physischen Datenträgern gering und an viele Bedingungen (Strom, Internetanschluss, passende Software…) geknüpft. Alleine darum sollten mündige Filmfreunde, die über den bloßen Filmkonsum hinaus denken, Distributionsalternativen zum Streaming in Form von Datenträgern oder Filmdateien ohne Kopierschutz fordern.

Fazit: Diamonds and Rust

VoD immer noch toll und bringt durch seine großen Anbieter wie Netflix und Amazon sehr gute Eigenproduktinen hervor, für die sich die Anschaffung bereits schafft. Trotzdem ist VoD nicht der verhißene Himmel, sondern muss nüchtern betrachtet werden. Wer Lust auf Klassiker oder Special Interest Titel hat schaut dabei aber in die Röhre. Darum bleibt die DVD/Bluray in der privaten „Videothek“ eine unverzichtbare Alternative. Doch auch hier zeigen sich neue Probleme? Was ist, wenn es keine Heimauswertung auf einem Datenträger gibt? Das ist in Zukunft bei den Simpsons der Fall, deren DVD Boxen zukünftig nicht mehr produziert werden. Der DVD Markt ist zwar auf dem absteigenden Ast, aber noch nicht tot. Es bleibt zu Hoffen, dass er als Alternative zu VoD-Anbietern bestehen kann oder eine kommende Technologie (z.B. bezahlte Downloads ohne Kopierschutz) deren Platz einnimmt.

PS: Die Zwischenüberschriften sind allesamt Musikstücke aus den Sopranos, ein kleines Schmankerl für Fans.

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