Lifeline [Review] – Taylor is waiting for you.

Ein Astronaut strandet auf einem fremden Planeten und braucht Hilfe. Klingt nach einem Buch von Andy Weir, das bald auch verfilmt in die Kinos kommt, ist aber im Falle von Lifeline ein Textadventure für Android und iOS, das mich zur zentralen Anlaufstelle des gestrandeten Astronauten macht.

Irgendwo da draußen im Weltall ist gerade ein junger Mann namens Taylor. Und Taylor hat den beschissensten Tag seines Lebens hinter sich. Taylors Raumschiffs ist auf einem weit entfernten Mond abgestürzt. Er hat als einziger den Absturz überlebt und hat es irgendwie geschafft einen Chat einzurichten. Mit mir. Weil er nur mich erreichen konnte. Taylor plagt sich mit psychischen Problemen, ist ja tatsächlich eine belastende Situation in der er sich gerade befindet. Aber Taylor ist auch etwas verunsichert und braucht eine Entscheidungshilfe.  Auf beides soll ich als Spieler einen Einfluss haben indem ich Taylor kurz antworte. Von meiner Entscheidung hängt also viel ab. Ich werde wortwörtlich zur Rettungsleine  (engl. lifeline) für den gestrandeten Taylor.

Story (Spoiler!)

Ausgangspunkt ist bei jedem Spielstart Taylors wenig aussichtsreiche Situation: Raumschiff kaputt, Crew weg und ein Gesprächspartner mit mangelnder Weltraumerfahrung. Wie die Geschichte letztlich weiter geht hängt von meinen Entscheidungen ab. Lasse ich das Raumschiffwrack von Anfang an hinter mir, wird dort auch nichts mehr passieren. Entscheide ich mich jedoch dafür das Wrack zu erkunden finde ich Rationen, einen sicheren Schlafplatz oder vielleicht sogar Überlebende. Letztlich lief es bei meinen bisherigen Spieldurchläufen immer darauf hinaus, dass Taylor sich erstmal im Wrack umschaut und später auf den Weg zu einem großen Turm macht, um dem Geheimnis des Planeten auf den Grund zu gehen. Je nach Entscheidung kann die Geschichte aber auch recht schnell vorbei sein und mit Taylors Tod enden.

Steuerung

Der Grad an Interaktivität ist bei Lifeline nicht groß. Das Spiel besteht nur aus den Nachrichten, die mir Taylor „schickt“ und meinen Entscheidungen zwischen zwei Optionen. Keine Videos oder Grafiken. Nur Taylors Textnachrichten an mich. In diesen beschreibt Taylor seine aktuelle Gemütslage und ich darf ihn daraufhin motivieren weiterzumachen oder mir sein Herz auszuschütten. Aber Taylor beschreibt mir auch regelmäßig die Situationen und Umgebungen die sich aus unseren Entscheidungen  ergeben und fragt mich dann ob er meiner Meinung nach lieber Option A oder B ausführen sollte. Hin und wieder führt Taylor diese dann nicht direkt aus, sondern fragt mich ob ich mir dessen wirklich sicher bin, wodurch mich das Spiel meine Handlungen nochmal überdenken lässt („Vielleicht ist es nicht so schlau in einem schweren Raumanzug eine steile Klippe hinaufzuklettern“). Lifeline ist damit im Geiste der Choose your own Adventure- Bücher gehalten, limitiert mich bei meinen Entscheidungen immer auf die Wahl zwischen A oder B, links oder rechts, kämpfen oder fliehen.

Ein wichtiger Inszenierungsfaktor bei Lifeline ist der Faktor Zeit. Die Nachrichten von Taylor erscheinen nicht nur in der Lifeline App, sondern werden auch in meiner Benachrichtigungszeile angezeigt. Ignoriere ich sie zu lange, macht die App mir klar, dass Taylor auf meine Antwort wartet und ich mich um ihn kümmern soll. Ich sollte also schon regelmäßig auf mein Smartphone schauen, da Taylor sonst ohne meine Entscheidung schnell das Zeitliche segnen wird. Aber Lifeline lässt mir auch Pausen zukommen. Wenn ich Taylor zu einem eine Stunde entfernten Krater schicke, ist Taylor auch mal eine Stunde beschäftigt und meldet sich nicht bei mir. Nach einer Stunde schreibt er mir dann, dass er schlechter voran kommt, als erwartet und wohl noch eine Stunde brauchen wird. Das macht das Spiel zu keiner Dauerbeschäftigung, aber man sollte schon regelmäßig seine Nachrichten checken. Heutzutage wohl kein Negativpunkt für das Spiel. Übrigens schläft Taylor auch und lässt mich dann bis zum nächsten Morgen in Ruhe, sofern er nachts nicht am erfrieren ist und mir seine letzten Worte schreibt, die ich dann morgens beim Aufstehen verwundert lesen darf.

Die Pausen im Spielverlauf nutzt Lifeline hin und wieder auch für transmediale Momente. Taylor bittet mich beispielsweise darum herauszufinden, ob er Gefahrlos neben dem Kernreaktor übernachten kann, oder lieber auf freiem Feld schlafen soll. Ein wunderbarer Moment, der mir zeigt, dass ich mich tatsächlich um Taylor sorge und ihm diese Information google. Leider kommen diese Momente nicht oft genug im Spielverlauf vor.

Wer das Spiel bereits beendet hat, kann von da an zu alten Entscheidungen springen und diese ändern um alternative Verläufe zu erleben. Nach dem ersten Spielende ist es auch möglich einen schnellen Vorlauf zu starten um die Spielpausen zu verkürzen.

Fazit

Lifeline ist weniger ein Spiel, als eine Erfahrung. Lifeline versucht mir vorzumachen, dass am anderen Ende der Leitung ein Mensch ist, der meine Hilfe und Unterstützung braucht. Und gerade am Anfang schafft Lifeline das auch ganz gut. In manchen Momenten lasse ich mich voll auf das Spiel ein und kaufe ihm seine Geschichte ab. Aber nach einiger Zeit wird des Geschehen um Astronaut Taylor zu unrealistisch, da unnötig fantastische Elemente einfließen (Andy Weirs Marsianer schafft das als Roman ohne Fanstatik auch). Wen das nicht stört und wer kein Problem mit der zeitweisen Aufdringlichkeit von Lifeline hat, der ist mit der App gut bedient und kann für kleines Geld eine eindrucksvolle Erfahrung machen, dass sich von der großen Masse der Mobile-Games positiv abhebt.

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Lifeline (iOS/Android)

Entwickler: 3 Minute Games

Preis: ≈1€

Sprache: Englisch (alle), Deutsch, Französisch (iOS)

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