Archiv der Kategorie: Features

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2017 – Das Jahr in dem ich mit Letterboxd Kontakt aufnahm

Ich hatte mich bereits Ende 2016 dafür entschieden, über alle Filme die ich in Zukunft sehen würde Buch zu führen. Dafür habe ich den Service Letterboxd genutzt. Ich habe also das gesamte vergangene Jahr über jeden Film den ich gesehen habe in eine Liste eingetragen und bewertet. Wenn ich die Lust und Zeit dazu hatte, habe ich auch eine persönliche Kurzbewertung dazu geschrieben. Die Filme wurden mit einer Bewertung von 0-5 Sternen versehen und zusätzlich einem Herzen, wenn mir der Film gefallen hat. Denn auch ein Film, der wenige Sterne verdient hat, kann einem ja schließlich gefallen. Aber was ist nun bei dieser Aktion am Ende herausgekommen?

Anfang des Jahres hatte ich noch gedacht, dass mein Medienkonsum sehr hoch ist und ich bei mindesten 200 – 250 Filmen am Jahresende liegen werde. Damit habe ich mich wohl leider überschätzt. Innerhalb des vergangenen Jahres habe ich nämlich genau 128 Filme gesehen, also in etwa alle drei Tage ein Film. Das hat mehrere Gründe. Zum einen bin ich mittlerweile voll berufstätig und habe ein Sozialleben, dass auch ohne Filme auskommt. Andererseits kann ich mit Letterboxd nur Filme erfassen. Fernsehserien, Filme von den Öffentlich Rechtlichen, Spiele und Bücher bleiben bei meinem Medienkonsum außen vor. Da ich selbst schätze, dass Filme, Serien, Spiele und Bücher meinen Medienkonsum in etwa gleichmäßig prägen stehen die 128 Filme für maximal ein Viertel meines Freizeitverhaltens. Doch arg viel sagt diese Zahl noch nicht über meine persönliches Filmjahr aus. Darum werfe ich lieber mal einen Blick in die Details.

Januar (in aller Ausführlichkeit):

Der erste Film den ich dieses Jahr gesehen hatte war Operation Petticoat, ein Klassiker, den die ARD gerne mal seinem Silvester Publikum nach dem Böllern präsentiert. So habe ich den Film auch tatsächlich in der Neujahrsnacht im Fernsehen gesehen und nahm ihn als angenehm leichte Unterhaltung wahr (3 von 5 Sternen). Wie sich später zeigen sollte legt der erste Film des Jahres eine ungefähre Richtung fest, denn ich habe immer wieder versucht filmische Wissenslücken durch gezieltes Schauen zu verkleinern.

 

Denn bereits Ende Dezember 2016 habe ich festgestellt, dass ich eigentlich nur die neueren Teile der Stirb Langsam Filme gesehen hatte. Stirb Langsam wurde daher noch unmittelbar nach Weihnachten gesehen und für gut befunden (4 von 5 Sternen). Recht schnell folgten die weiteren Teile. Stirb Langsam 2 erhielt nur noch 3,5 Sterne. Den dritten Teil nahm ich insgesamt als den besten Teil der Reihe war. Ich gab ihm zwar “nur” 4 von 5 Sternen, aber fand ich doch einen Tick besser als den ersten Teil, auch wenn Bruce Willis in der deutschen Fassung nicht mehr vom ikonischen Manfred Lehmann gesprochen wurde. Danach folgte ein tiefes Tal für die Reihe. Teil 4 und 5 erhielten beide nur 1,5 Sterne, da sie zu aufgesetzt wirken und der Charme der Vorgänger nicht mehr auftauchen wollte. Zwischendrin folgte einer der schlechtesten Filme die ich dieses Jahr gesehen habe Angry Birds. Der Film war weder unterhaltsam, noch funktionierte er aus meiner Sicht überhaupt als Film. Kurze Webclips mit den Figuren wären sinnvoller gewesen, aber damit bekommt man ja keine zahlenden Zuschauer. Das ERgebnis: 1,5 Sterne, die noch viel zu gnädig waren. Es gab 2016 aber auch Filme die mir beim Nachholen besser gefallen haben. The Neon Demon war auf seine Art verstörend und faszinierend (3,5 von 5 Sternen). Die Höhepunkte bildeten aber LaLaLand im Kino und Ran zu Hause (Beide 4,5 Sterne). Nachgeholt wurden noch Bastille Day mit Idris Elba (3 Sterne), The Last Stand mit Arnold Schwarzenegger (3 Sterne), Stolz und Vorurteil und Zombies (2 Sterne) , Ein Fisch namens Wanda (2,5 Sterne) und Mickey Blue Eyes (3 Sterne). Oh je, bei dem Tempo kann ich aus meinem Jahresrückblick ja einen Roman schreiben. Damit hätte ich zwar eines meiner Lebensziele erreicht, aber unterhaltsam und gut wäre etwas anderes. Darum ziehe ich jetzt mal das Tempo ein wenig an.

Februar:

Beste Filme: Kein Pardon, 10 Cloverfield Lane, Green Room,

Schlechteste Filme: Blood Father (unnötiger Film), Resident Evil Apocalypse (Der Anfang vom Ende einer vielversprechenden Filmreihe)

Endlich nachgeholt: Magnolia (Einer meiner Lieblingsfilme, endlich in HD gesehen) Comedian Harmonists (Sollte man gesehen haben)

März:

Beste Filme: Logan (Endlich ein Starker Film aus dem X-Men Universum)

Schlechteste Filme: Maggie (Zombies und Arnie funktionieren leider nicht), Minions (gleiche Probleme wie Angry Birds)

Endlich nachgeholt: Suicide Squad (Nicht sonderlich gut, nicht extrem schlecht, sonder okay, aber belanglos), Apocalypto (Man mag von Mel Gibson privat halten was man will, aber er hat eine Ahnung davon wie man im Film die richtige Stimmung erzeugt).

April:

Beste Filme: Captain Fantastic (Eine Ode an das selbstbestimmte Leben und Denken)

Schlechteste Filme: Ghost in the Shell (das 2017er Remake, das nicht hätte sein müssen)

Endlich nachgeholt: Lethal Weapon (beginnt stark, lässt aber von Teil zu Teil nach)

Mai (der Monat in dem ich nur 3 Filme gesehen habe [sic]):

Beste Filme: Guardians of the Galaxy Vol. 2 (nicht so wunderbar wie der erste Teil, aber mit extrem viel Herz gemacht)

Schlechteste Filme: –

Endlich nachgeholt: –

Juni:

Beste Filme: Hunt for the Wilderpeople (Viele preisen ja 5 Zimmer, Küche, Sarg als Taika Waititis besten Film, aber Hunt for the Wilderpeople fand ich konsequenter und besser umgesetzt), Wonder Woman (DCs geglückter Versuch Superheldenfilme erwachsen werden zu lassen und trotzdem nah an der Vorlage zu bleiben), Swiss Army Man (Stand so lange auf meiner Must See Liste, dass ich die zäheren Strecken im Film gerne übersehen habe. Danke du absurder Film mit einem toten Daniel Radcliffe).

Schlechteste Filme: Inferno (Dan Brown Verfilmungen, kennst du eine, kennst du alle. Schade, dass der Film so sehr vom Buch abweicht).

Endlich nachgeholt: Swiss Army Man und Split (Fand ich gut, aber nicht so genial wie viele Online Kommentatoren, gilt auch für die After Credits Scene).

Juli:

Beste Filme: Moana (Solider Pixar Film), John Wick Chapter 2 (Meine Messlatte für moderne Actionfilme), Passengers (Netter Mix aus Sci-Fi, Komödie und Drama), Spider-Man: Homecoming (der erste gute Spider-man Film seit Spider-Man 2 von 2004)

Schlechteste Filme: Alien: Covenant (Die Crew ist noch dümmer, der Plot sehr dünn, wenig Alien dafür David als Antagonist. War insgesamt wenig überraschend und hatte viel verschenktes Potential), The Void (Übernatürlicher Horror la Lovecraft im Hier und Jetzt, leider nicht gut), Dragonball Z – Ressurection F (Ich habe keine Erinnerung mehr an den film, vermutlich viel Geschrei und Gekämpfe)

Endlich nachgeholt: Der Hexer (auf Kabel 1 nie geschaut, jetzt endlich die Zeit und Muse dafür gefunden. Sollte man wirklich gesehen haben), The Imitation Game, Willkommen bei den Hartmanns (Die deutsche Winterkomödie. Hat mich leider eher kalt gelassen, da sie zu aufgesetzt wirkt).

August:

Beste Filme: Trainspotting 2 (Solide Fortsetzung nach so vielen Jahren, gerne in 10-15 Jahren nochmal)

Schlechteste Filme: The Lego Batman Movie (Der Lego Movie hat sich selbst tragen können, bei Batman ist das irgendwie nicht der Fall. Batman nur als Witzfigur anzusehen, macht für mich noch keinen guten Film aus)

Endlich nachgeholt: Sag niemals nie (Weil es diesen Bond Film nie in der offiziellen Collection dazu gab, hab ich etwas länger zum Nachholen gebraucht, aber gelohnt hat sich Warten leider dann doch nicht so sehr)

September:

Beste Filme: Cinema Perverso (Doku über das Programm der alten Bahnhoflichtspielhäuser, sehr empfehlenswert für alle Cineasten), Kingsman: The Golden Circle (setzt den ersten Teil konsequent fort, legt bei der Action noch eine Schippe drauf, aber insgesamt ein schwächeres Worldbuilding als der erste Teil)

Schlechteste Filme: –

Endlich nachgeholt: Einige Filme wie Hellboy 1 und 2 nochmal gesehen, aber nicht nichts wirklich neues dabei.

Oktober:

Beste Filme: Beauty and the Beast (Das Remake mit Emma Watson ist solide gemacht, aber im Grunde der gleiche Film wie der Zeichentrick Klassiker, trotzdem sehr nett anzusehen), It (tolle moderne Umsetzung des Stephen King Materials, kein richtiger Horror für mich, aber dafür richtig gute Schauspieler)

Schlechteste Filme: Marauders (zäh und langweilig), Jagd nach Roter Oktober (konnte in mir keine Spannung aufbauen).

Endlich nachgeholt: Die Addams Family und Die Addams Family in verrückter Tradition (Ikonische Bilder und ein paar gute Momente in den Filmen. Aber trägt sich in beiden Fällen nicht über die Gesamtstrecke), Napoleon Dynamite (köstliche Komödie mit abgedrehten Figuren, selten so gelacht), Fantastic Mr. Fox (der beste Was Anderson Film von allen, tolle Bilder, viel Witz, beste Unterhaltung), Prisoners (selten ein so verstörendes Entführungsdrama gesehen, tolle Wendungen in der Handlung, vll etwas zu langatmig in der Mitte)

November:

Beste Filme: Thor: Ragnarok (Taika Waititis zweitbester Film, der viele Humor weicht eine womöglich vorhandene Ernsthaftigkeit des Film auf und macht ihn zu einem der Marvel Filme, die man am schnellsten wieder vergessen hat, macht ihn aber dafür sehr unterhaltsam)

Schlechteste Filme: Pirates of the Carribean: Dead Men tell no tales (nicht extrem schlecht, aber der Beweis dafür , dass sich das Franchise leider schon seit 3 Filmen selbst überlebt hat).

Endlich nachgeholt: Teen Wolf (Absurde Handlung, wenig Witz, eigentlich nur ein Film, weil man Michael J. Fox damals grad zur Hand hatte, schade).

Dezember:

Beste Filme: Asterix im Land der Götter (Ich hatte NICHTS von dem Film erwartet und wurde bestens unterhalten. Für mich tatsächlich der beste Asterix Film bisher), Wilde Maus (Josef Hader wie man ihn kennt, bitterböse aber ehrlich), Star Wars: The Last Jedi (Einige Momente waren einfach zu sehr drüber (Floating Leia, Geister die Blitze schießen) aber der Film ist mutig und dtraut Star Wars Fans viele Brüche mit alteingesessenen Ideen und Vorstellungen zu, Bravo! Endlich der Mut mal etwas richtig Neues aus dem Franchise zu machen)

Schlechteste Filme: CHiPS (Leider kann ich nicht lachen, wenn ein Protagonist ein erbärmliches Privatleben führt, ein Gangster bei der Verfolgungsjagd geköpft wird oder der andere Protagonist zwischen Homophobie und Dauergeilheit hin und her springt) , Hilfe, es weihnachtet sehr (Als Kind habe ich diesen Film geliebt, über die Jahre ist der Zauber aber verloren gegangen), Hidden Figures (Starke Frauen, starker Film), The Founder (Die Ursprünge von McDonalds sind genauso faszinierend wie das Schauspiel von Michael Keaton)

Endlich nachgeholt: Star Wars Episode 1-6 (endlich habe ich mir die Bluray Box mit den Relevanten (3-4) und irrelevanen (1-3) Filmen gegönnt. War eine gute Einstimmung für Episode 8),  The Aviator

Fazit: Ich habe nicht gerade wenige Filme dieses Jahr gesehen, aber wahrer Enthusiasmus ist darin noch nicht zu erkennen. Viele Klassiker habe ich nachgeholt, aber nicht viele haben mich davon auch heute noch überzeugt. Mein Schluss daraus lautet: ich werde 2018 nicht versuchen noch mehr Filme zu sehen, werde aber auch nicht versuchen weniger Filme zu sehen. Trotzdem will ich mich dieses Jahr mehr von meinem Bauchgefühl bei der Filmauswahl leiten lassen, als von fremden, nostalgischen Erinnerungen. Meine Watchlist ist noch immer tierisch lang. Unter anderem freue ich mich 2018 bereits auf Solo: A Star Wars Story, The Disaster Artist und in gewisser Weise auch auf die Umsetzung von Ready Player One (obwohl ich das Buch dämlich fand). Es stehen aber auch noch viele bereits gelaufene Filme für mich aus, wie Blade Runner 2049, The Dark Tower, Valerian, Dunkirk, War for the Planet of the Apes, King Arthur, Baby Driver, Kubo und noch viele ältere Filme.

Was bedeutet das für euch? …eigentlich nichts. Aber ihr dürft mir gerne verraten wie ihre bei eurer Filmauswahl vorgeht. Lasst ihr euch vom Hype leiten oder verfolgt ihr konsequent bestimmte Sehgewohnheiten im (Heim-) Kino? Wenn ihr einen genauen Blick auf mein Seh- und Bewertungsverhalten werfen wollt, lohnt sich vielleicht ein Blick auf mein Letterboxd Profil.

Fear The Walking Dead – So Close, Yet So Far S01E02 [Review]

Nachdem die Pilotfolge vom Serien Spin-off Fear The Walking Dead ja eher durchwachsen war, nimmt die zweite Folge mit dem Titel „So Close, Yet So Far“ wieder ordentlich Schwung auf. Wir erinnern uns kurz zurück: Fear The Walking Dead – So Close, Yet So Far S01E02 [Review] weiterlesen

Fear The Walking Dead – Pilot S01E01 [Review]

Aufgrund ihrer expliziten Gewaltdarstellung ist die TV-Serie The Walking Dead nicht jedermanns Geschmack. Trotzdem lässt sich nicht abstreiten, dass diese neben Game of Thrones momentan zu den populärsten Serien der Welt gehört. Was lag da für den Muttersender amc  näher, als sich weiter mit dem Franchise zu beschäftigen und eine neue Serie in der gleichen Welt zu produzieren. Solche Ableger (engl. Spin-off) sind keine Seltenheit und für Sender interessant. In diesen Ablegern können die Sender ihre etablierte Marke weiterleben lassen oder diese nutzen um eine neue, eigenständige Marke zu etablieren. amc veröffentlichte diesen Sonntag in den USA die erste Folge ihres Ablegers Fear The Walking Dead, die tags drauf auch für deutsche Amazon Prime Kunden abrufbar war.

Die Protagonisten von Fear The Walking Dead
Dr FTWD Cast v.l.n.r Alicia, Nick, Madison, Travis, Liza (Ex-Frau von Travis), Christopher, Daniel, Griselda und Ofelia

Wie im Original war auch hier wieder Robert Kirkman, der Autor der Comicvorlage, an der Konzeption der Serie beteiligt. Zeitlich vor The Walking Dead angelegt beschäftigt sich die Serie mit den Ursprüngen der Zombie-Apokalypse. Zentrale Identifikationsfiguren für den Zuschauer entstammen der Patchworkfamilie von Travis und Madison sowie den Kindern Alicia, Nick und Christopher. Zusätzlich hat jede der Figuren  noch so ihre eigenen Probleme: der Englischlehrer Travis hat zwar eine gute Beziehung zur Kollegin Madison, aber sein leiblicher Sohn Christopher steht ihm und der neuen Familie abweisend gegenüber. Die verwitwete Madison beweist als Vertrauenslehrerin zwar viel Empathie aber hat zu ihren eigenen Kinder kein ideales Verhältnis. Ihre Tochter Alicia ist eine gute Schülerin, muss sich aber emotional darauf einstellen, dass sie und ihr Freund Matt wohl in Zukunft auf unterschiedliche Universitäten gehen werden. Nick, Alicias älterer Bruder hat sich wegen seiner Drogenabhängigkeit von der Familie entfernt. Aber die verstörenden Ereignisse zu Beginn der ersten Folge sorgen dafür, dass er sein Leben endlich wieder unter Kontrolle kriegen will. Fear The Walking Dead – Pilot S01E01 [Review] weiterlesen

Lifeline [Review] – Taylor is waiting for you.

Ein Astronaut strandet auf einem fremden Planeten und braucht Hilfe. Klingt nach einem Buch von Andy Weir, das bald auch verfilmt in die Kinos kommt, ist aber im Falle von Lifeline ein Textadventure für Android und iOS, das mich zur zentralen Anlaufstelle des gestrandeten Astronauten macht. Lifeline [Review] – Taylor is waiting for you. weiterlesen

Always online or mostly offline? – Die Grenzen von SVoD-Angeboten

Ich liebe die Möglichkeit jede Serie und jeden Film on Demand zu sehen. Warum sollte ich als Film- und Serien-Junkie diese Möglichkeit auch nicht lieben? Man zahlt einen monatlichen Betrag an einen der vielen VoD-Anbieter und erhält dafür jederzeit Zugriff auf ein großes, gemischtes Angebot von Serien und Filmen. Wenn man zum ersten Mal hinter die Bezahlschranke blickt, scheint das Angebot viel größer als das man es jemals in seiner Gesamtheit ausschöpfen könnte. Es scheint in diesem Augenblick fast so, als ob hätten sich die indirekten Versprechungen der einzelnen Anbieter bewahrheitet:

„Befreie dich von den starren Sendezeiten der TV-Sender und schaue was du willst, wann du willst ohne Einschränkungen.“

It was a very good year

Als ich damals zum Start von Watchever deren Kunde wurde, war ich geplättet. Nicht nur, dass ich auch über meine PlayStation3 bequem Zugriff an meinem Fernseher hatte und erstmal zwei Stunden da saß, um das Angebot überschauen zu können. Watchever führte sogar teilweise Titel, von denen ich vorher nie etwas gehört hatte, die aber anhand ihrer Beschreibung und der Trailer sehr ansprechend klangen. Und dann waren da noch Titel, die ich schon immer mal sehen wollte, aber die entweder nie im Free-TV liefen oder deren Einzelerwerb als DVD kostspielig gewesen wäre. Ich denke da beispielsweise an die Abenteuer von Captain Future und seinen Freunden, die man heute nur noch mit Glück zu selten im TV findet oder für mindestens 200€ als ausverkaufte DVD-Box kaufen kann. Klar, dem wahren Fan ist es das allemal wert. Aber wenn man nur mal wieder sein Retro-Verlangen stillen möchte, dann ist das eindeutig zu teuer. Zudem ist der Instant-Versand noch nicht erfunden. Bis das ersehnte Päckchen eintrifft ist das Retro-Verlangen meist schon wieder abgeklungen.

Da bleibe ich doch lieber beim on Demand Streaming, beginne endlich mit den Sopranos und bin von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt. Ja, mehr sogar noch! Ich schaute damals einzelne Folgen, manchmal sogar ganze Staffeln, mehrfach an, weil die Serie einfach großartig ist! Die Welt von Tony Soprano und seinen beiden Familien (der echten und der beruflichen Familie) ist einfach zu spannend und vielseitig, als das ich sie hätte außer Acht lassen können. In mir stimmte sich damals das wohlig warme Gefühl ein, dass die paar Euro im Monat gut angelegt waren.

Vesuvio

Zeitsprung ins Jahr 2015: Ich befinde mich im ständigen Stress zwischen der Abschlussprüfung und den etlichen Bewerbungen. In einer ruhigen Minute stoße auf einen Verweis an Die Sopranos und sofort ist das alte Gefühl wieder da. Ein schneller Blick in das aktuelle VoD-Angebot sagt mir aber, dass bei keinem der deutschen SVoD-Anbieter Die Sopranos im Angebot enthalten ist. Also weder bei Watchever, Amazon Prime oder Netflix. Der Grund dafür ist einfach, die Rechte zum Streamen der Serie wurden nicht verlängert. Dabei ist es egal, ob die Streaming Anbieter nicht mehr verlängern wollten oder die Inhaber der Verwertungsrechte für Die Sopranos von einer Verlängerung der Streamingrechte absahen. Mit einer einfachen Mitgliedschaft kann ich Die Sopranos also nicht mehr sehen. Eine kurze Analyse der überausnützlichen Seite Werstreamt.es zeigt mir jedoch, dass ich die einzelnen Folgen oder sogar die ganze Staffeln gerne bei diversen Anbietern als Download oder zum Streamen kaufen kann. Aber bei mindestens 20 € pro Staffel oder 140€ für die gesamte Serie – rein digital, kein physischer Datenträger – überlege ich mir das zweimal.

Was sind meine Alternativen? Das illegale Streamen über dubiose Websites mit Pop-up Werbung entfällt aufgrund rechtlicher und moralischer Gründe. Der halblegale Weg auf Youtube nach einem übereifrigen Fan zu suchen, der Folgen spiegelverkehrt oder verfremdet hochgeladen hat, bleibt ohne Ergebnis. Es bleibt einzig der Kauf der Serie auf DVD oder Bluray. Da liege ich dann bei Kosten zwischen 60€ (für die DVDs) und 100€ (für die Blurays) und habe wieder das Problem, dass die Datenträger nicht umgehend zur Verfügung stehen, wie es ein Videostream würde. Die Alternativen zum Videostream sind also für die heutige Zeit unbefriedigend.

Aus einer medienwissenschaftlichen Perspektive sei übrigens noch ein Kommentar zum Trend des Streamens von Filmen und Serien erlaubt. Natürlich ist es auch Sicht der Verwerter sinnvoller die Inhalte als Streams zur Verfügung zu stellen und damit regelmäßige Einnahmen zu haben. Die Alternative wäre eine Auswertung als Download oder Datenträger die einmalig Einnahmen generieren würde und für den Verbraucher sogar noch die Chance der Kopie oder des Weiterverkaufs beinhalten würde. Aber wie erhalten wir Serien und Filme, die unsere gegenwärtig populärsten Kulturgüter sind für künftige Generationen? Bilder, Statuen und Gebäude sind physisch vorhanden und können –richtig gelagert – Jahrhunderte oder noch länger überstehen. Aber filmische Kunst hat sich längst vom Zelluliod oder der DVD als Trägermedium gelöst. Neue Filmproduktionen finden vermehrt digital statt und werden auch so zur Verfügung gestellt. Aber die Existenzdauer eines Servers, der diese Filme zur Verfügung stellt ist im Vergleich zu physischen Datenträgern gering und an viele Bedingungen (Strom, Internetanschluss, passende Software…) geknüpft. Alleine darum sollten mündige Filmfreunde, die über den bloßen Filmkonsum hinaus denken, Distributionsalternativen zum Streaming in Form von Datenträgern oder Filmdateien ohne Kopierschutz fordern.

Fazit: Diamonds and Rust

VoD immer noch toll und bringt durch seine großen Anbieter wie Netflix und Amazon sehr gute Eigenproduktinen hervor, für die sich die Anschaffung bereits schafft. Trotzdem ist VoD nicht der verhißene Himmel, sondern muss nüchtern betrachtet werden. Wer Lust auf Klassiker oder Special Interest Titel hat schaut dabei aber in die Röhre. Darum bleibt die DVD/Bluray in der privaten „Videothek“ eine unverzichtbare Alternative. Doch auch hier zeigen sich neue Probleme? Was ist, wenn es keine Heimauswertung auf einem Datenträger gibt? Das ist in Zukunft bei den Simpsons der Fall, deren DVD Boxen zukünftig nicht mehr produziert werden. Der DVD Markt ist zwar auf dem absteigenden Ast, aber noch nicht tot. Es bleibt zu Hoffen, dass er als Alternative zu VoD-Anbietern bestehen kann oder eine kommende Technologie (z.B. bezahlte Downloads ohne Kopierschutz) deren Platz einnimmt.

PS: Die Zwischenüberschriften sind allesamt Musikstücke aus den Sopranos, ein kleines Schmankerl für Fans.

Gute Kurzfilme #5 – Time Trap

Time Trap ist ein recht sympathischer Kurzfilm über einen sonderbaren Weltraumreisenden, der aufgrund einer Panne gestrandet ist und mittels einer Time Trap Ersatzteile besorgen muss. Sehr solide umgesetzt und erinnert in seinen besten Momenten an die unterhaltsame Leichtigkeit von Guardians of the Galaxy mit einem Hauch Star Wars Flair. Der Slapstikanteil des Films stößt zwar etwas befremdlich auf, aber trotzdem kann man Time Trap einen gewissen Charme, der auch vom Pragmatismus des Raumschiffpiloten ausgeht, nicht absprechen. Anschauen und 7 Minuten lang leichte Unterhaltung genießen, ohne die Gürtellinie zu unterschreiten.

Der Film stammt übrigen von Michael Shanks, der auch das Drehbuch schrieb und wurde von LateNite Films umgesetzt. Deren  Showreel im Übrigen auch sehr nett ist (mit Guy Pearce Musikvideo Storm)

Wie werden Horrorfilm-Soundtracks gemacht?

Na, so spät noch in den Tiefen des Internets unterwegs? Dabei gibt es doch hier so viele dunkel Ecken in denen man sich verirren könnte und die durch düstere Klänge untermalt sind. Einmal nicht aufgepasst und schon gibt es…

ein lautes klirrendes Geräusch und an erschreckt sich fast zu Tode. Das kommt nicht unbedingt vom visuellen Input des Films, sondern liegt viel mehr an dessen Sounds. Die Stimmung muss passen und genau da kommt das Waterphone ins Spiel. Mit diesem Instrument lässt sich allerlei schauderhafte  Musik schaffen und das mit nur einem Instrument. Beeindruckend!

Billig sind die Teile übrigens nicht. Es geht bei 1200 € los.

(via Kotzendes Einhorn)

Gute Kurzfilme #4 – Rejected

Zum heutigen Sonntag ein echter Klassiker aus dem Jahre 2000: Rejected von Don Hertzfeldt.

Beim ersten anschauen ist Rejected ein wahrer Genuss. Der Geist arbeitet auf Hochtouren um den Sinn der Geschichte zu begreifen. Dabei ist Rejected sehr einfach gehalten, mit kruden Strichmännchen, einfachen Animationen und wenig Dialogen. Trotzdem nimmt einen Rejected in seiner einfachen Erzählweise über einen Animator für Werbespots, der genau wie seine Werke geistig zerfällt. Die Kurzfilme selbst werden ebenfalls Teil der Handlung und zersetzen sich aufgrund ihrer Ablehnung (engl. rejection). Natürlich wirft der Film die Film die Frage nach Authentizität und Realitätsbezug auf. Beides kann jedoch verneint werden, laut Hertzfeldt ist jedoch der experimentelle Charakter des Films höher einzuschätzen. Ein kleines Juwel, das nicht umsonst eine Oscar Nominierung als Bester Animationsfilm 2001 erhielt.

 

Dir gefiel Rejected? Dann könnte dir auch Too Many Cooks gefallen.

Gute Kurzfilme #3 – ISOLATED

Licht aus, Handy lautlos schalten und Kopfhörer aufziehen, denn der dritte Kurzfilm aus der Reihe „Gute Kurzfilme“ hat es durchaus in sich. Fiebert mit in ISOLATED:

Protagonist Evan wacht nach einem Unfall am Steuer seines Taxis auf, findet sich in der scheinbar verlassenen Stadt wieder und einer gefährlichen Bedrohung ausgesetzt. ISOLATED stammt von Peak Pictures und entstand unter der Regie von Tomas Vergara. Dabei ist entstand ein Film, der wie eine 28 Days later Umsetzung von den Pixar Studios wirkt. Doch das ist nichts Negatives! Nein, durch die Umsetzung des Films am Computer flaut der Nervenkitzel zwar ein wenig ab, aber dafür ist eine Kameraarbeit möglich, die man sich bei Realaufnahmen so nicht hinbekommen würde.

Ein packendes Kleinod, das in knapp 5 Minuten erreicht, woran viele andere Horror-Thriller heutzutage sogar in 90+ Minuten scheitern.