Archiv der Kategorie: Features

Alle Arten von Features an einem Ort.

Gute Kurzfilme #1 – Bad Day At The Office

Der Kurzfilm ist eine Filmgenre, dass meiner Meinung nach stark unterschätzt wird. Doch gerade seine Kompaktheit macht den besonderen Reiz aus.  Anstatt 90 Minuten oder mehr damit zu verbringen Welten logisch einzuführen oder pathetische Momente zu strecken, geht der Kurzfilm direkt in media res. Obwohl früher Kurzfilme auch im Kino vor der Hauptvorstellung liefen, fristeten diese lange Zeit nur noch ein Nischendasein. Erst ein ab ca. 1995 einsetzendes Revival durch seine Verbreitung im Internet half dem Kurzfilm wieder ein Publikum für sich zu gewinnen. Zwar ist der Kurzfilm immer noch weit davon entfernt ein gewinnbringendes mediales Produkt für seine Macher zu sein, aber er eignet sich ideal als Einstieg für junge und/oder experimentelle Filmemacher. Aufgrund ihrer Länge und da sie kostenlos, legal im Internet angeschaut werden können, eigenen sie sich sehr gut, um sie mit Freunden und Filminteressierten zu teilen. Was hier nun auf regelmäßiger Basis stattfinden soll.

tldr: Kurzfilme sind toll, ab jetzt gibt’s hier mehr davon.

Den Anfang macht: Bad Day At The Office.

Dieser bringt uns den schmerzlichen Arbeitsalltag von Wallace D. Popple näher. Ideal für den Montag morgen. Wunderschön im Bild eingefangen, ein Erzähler der irgendwo zwischen Dr. Seuss und The Stanley Parable angesiedelt ist und eine Wendepunkt in der Erzählung der an den namenlosen Protagonisten aus Fight Club erinnern lässt. Hinter dem Film steckt die Creative Agency Studio Hansa, welche sich über Kickstarter Unterstützung für dieses Projekt sicherte.

Absolut sehenswert und damit ein guter Start für diese neue Reihe hier!

Fear on Film: Gesprächsrunde mit Landis, Carpenter und Cronenberg

1982 trafen sich die Regisseure John Landis (u.a. Kentucky Fried Movie, Blues Brothers, American Werewolf) , John Carpenter  (Halloween, The Fog, The Thing) und David Cronenberg (Scanners, Dead Zone, Die Fliege) mit dem Moderator Mick Garris und gaben ihre Ansichten über den Status des Films, insbesondere des Horrorfilms wieder. Sehr spannend, da Fear on Film: Gesprächsrunde mit Landis, Carpenter und Cronenberg weiterlesen

Die Geschichte des Hollywood-Films, kompakt in 9 Minuten

Die netten Leute vom Youtube-Channel Cine Fix werden ihrem Namen gerecht und präsentieren eine kompakte Zusammenfassung der Geschichte des Films.

Einige Experten könnten zwar daran mäkeln, dass da sie dabei oberflächlich bleiben und nur wenige Beispiele geben, aber es reicht um sich einen Überblick zu verschaffen (wer trotzdem mehr Infos braucht, geht in die Videobeschreibung und wird eine lange Nacht vor sich haben). In weniger als 9 Minuten schaffen es die Jungs von den physikalischen Grundlagen des Films über den Untergang des Golden Age of Hollywood bis hin zum Aufstieg der TV-Serien zu kommen ohne dabei dröge oder langweilig zu werden. Auch die Ideen am Ende des Films über die Zukunft des Films sind durchaus spannend. Durchaus einen Blick wert und man kann die Entwicklung des Mediums Film kompakt nachvollziehen.

Edit: Wie Iskander richtig anmerkt handelt es sich dabei um „Die Geschichte des Hollywood-/US-Amerikanischen Films kompakt in 9 Minuten“. Richtig, trotzdem sehenswert. Danke, Iskander!

(via /film)

Die Geschichte des Filmtrailers

Heute sind sie bei Filmen und dem Marketing um diese nicht mehr wegzudenken: Trailer. Sie zeigen uns schon vor dem Starttermin des Films was diesen ausmacht, welche Stimmung im Film herrscht und sind quasi als Kostprobe zu sehen, die uns dazu bewegen sollen gerade diesen Film anzusehen. Klar, das vermittelte Bild im Trailer kann immer noch anders sein als im fertigen Film und die Erwartungshaltung des Zuschauers spielt da noch ein gehöriges Stück mit aber sie gehören mittlerweile zu jedem Film. Einfache Photographien oder Plakate würden in einer Welt in der wir von Bildschirmen umgeben sind nur noch viel zu wenig Wirkung zeigen. Die Geschichte des Filmtrailers weiterlesen

Der Geräuschemacher (oder Foley-Artist)

Er ist beim Film die wichtigste Person,
Was wär‘ beim Blitzen ein Donner ohne Ton?
Der schärfste Schuss,
Der schönste Kuss,
Wär‘ ohne Knall doch keine Sensation!

Charles Amberg, „Mein Bruder macht beim Tonfilm die Geräusche“

Wer mal selbst ein kleines Video mit seinem Handy oder einer Kamera aufgenommen hat und dabei nur etwas Wind in der Umgebung gehabt hat, der wird es sicherlich gemerkt haben: der Ton ist nicht zu gebrauchen. Weitaus störender ist das, wenn es sich um Aufnahmen für einen Spielfilm handelt und der Ton der Originalaufnahme aufgrund äußerer Umstände oder um die Dialoge nicht zu übertönen nicht verwendbar ist. Bei Animationsfilmen gibt es ein viel größeres Problem, dort gibt es gar keine Geräusche die entstehen könnten. Und ein Film ohne Geräusche wirkt gespenstisch und unheimlich, eine Stimmung die man nicht bei allen Filmen erreichen möchte. Dann gibt es aber auch noch Fälle in denen es kein Geräusch gibt, weil der Gegenstand komplett fiktiv ist. Ein gutes Beispiel sind hier die Geräusche in Star Wars. Dort mussten die Laser Blaster, Chewbacca und viele andere Geräusche bekommen, was viel Einfallsreichtum für den Geräuschemacher bedeutet.

In all diesen Fällen ist man auf einen Geräuschemacher angewiesen, der die zu hörenden Geräusche mit allen möglichen Mitteln produzieren muss. Im Englischen spricht man dabei von einem Foley-Artist, was auf Jack Foley einen Soundeditor der Universal Studios zurück geht. Dieser begann für Universal an The Jazz Singer (1927) zu arbeiten, dem ersten durchgängig vertonten Spielfilm. Seine Methode wurde bis heute weitestgehend übernommen, selbst der Aufbau eines Foley-Studios ist gleich geblieben. Dieses ist in zwei Räume unterteilt, einer für den Foley-Artist, einer für den Aufnahmeleiter. Der Foley Artist produziert die Geräusche in seinem Raum, welche dort über Mikrofone aufgenommen werden, während der Aufnahmeleiter die Sequenzen vorbereitet und die Aufnahme steuert. Unglaublich interessant, vor allem da einem die Arbeit eines guten Geräuschemachers nicht auffällt.Da lohnt sich auch der Blick darauf, wie das heute in der Praxis abläuft:

 

 

 

 

 

(Bild: 14:35, 30. Okt 2005 M.m.mayer unter Creative Commons share, remix under attribution and share alike)

Arnold Schwarzenegger – Ein Mann der Worte und Taten

Zwei Dinge sind es, die die alten Action Kracher mit Arnold Schwarzenegger auszeichneten: Gewalt und Oneliner. Wenn man einen Muskelberg wie Schwarzenegger mit diesem markanten Gesichtsausdruck und der fast übernatürlich wirkenden körperlichen Präsenz in seinem Film hat, fühlt man sich schon fast dazu gezwungen Schwarzenegger Gewalt im Film ausüben zu lassen. Alles andere wirkt, trotz gelegentlicher familienfreundlicher Abstecher als Kindergarten Cop (1990) oder Last Action Hero (1993) schon fast wie Verschwendung. Aber so schön mancher die Gewaltorgien eines John Matrix in Das Phantom-Kommando (1985) oder des T-800 in Terminator (1984) auch findet, das Ganze spannt körperlich extrem an und verlangt nach gelegentlicher Entspannung. Doch mit in Actionsequenzen eingebetteten Storypassagen nimmt man zu sehr die Fahrt aus dem Film heraus. Was also tun?

Einzeller Einzeiler oder auch Oneliner sind die Antwort auf das Problem des Actionkinos. Kurze und knackige Aussagen des Protagonisten die das Geschehen kommentieren, aber auch gerne aus dem Zusammenhang genommen werden können und trotzdem verständlich bleiben. Sie bieten einen Moment der Entspannung zwischen den Blutfontänen und dem Feuerwerk der Explosionen. Wer würde nicht darüber schmunzeln wenn der Satz „You’re fired!“ passenderweise die Situation beschreibt, in welcher der bitterböse Antagonist mit einer Rakete auf einen feindlichen Hubschrauber gefeuert wird [True Lies (1994)]? Ebenso situativ passend ist es, wenn einer der vielen anonym gehaltenen gegnerischen Soldaten von Dutch Schaefers geworfenen Messers an einem Pfosten durchbohrt wird und stehen bleibt, was dieser durch ein „Stick around“ kommentiert wird [Predator (1987)].

Man darf wahrlich keine geistigen Höhenflüge bei diesen Sprüchen erwarten. Ebenso wenig darf man darauf hoffen, dass dabei Anstandsregeln unverletzt bleiben. Klar, ist Douglas Quaid sauer als er erfährt, dass seine langjährige Ehe nur vorgespielt war. Aber muss er deshalb gleich seine Noch-Ehefrau mittels Kopfschuss ins Jenseits befördern und noch dazu die Empfehlung „Consider that a divorce“ aussprechen [Total Recall (1990)]? Viele dieser Sprüche sind unter Fans zum Kult geworden und haben auch über diese hinweg in der Gesellschaft an Bedeutung gewonnen. Als Dutch Schaefer in Predator (1987) seine Gefährtin Anna zum Helikopterlandeplatz schickt sollte das möglichst die Dringlichkeit dieser Weisung unterstreichen. Aber vermutlich lag es an Schwarzeneggers starken Akzent, dass aus „Get to the Choppa“ mittlerweile ein Internet-Meme wurde, dass auf unmittelbare Gefahren hinweisen soll.

Lag es vielleicht einfach nur am Akzent, dass Schwarzenegger gerade in den USA zum Kult-Star avancierte? Gerade am Anfang seiner Karriere, als er als titelgebender Hercules in New York (1969) zu sehen war, holperte es noch an Schwarzeneggers Englisch.Schließlich hatte er als frisch Eingereister noch keinen Sprachkurs absolviert und wurde sogar aufgrund seines starken steirischen Akzents nachträglich synchronisiert. Das wäre aber nicht nötig gewesen, da sein Text im Film sowieso nur aus stumpfen wen auch unterhaltsamen Kommentaren bestand. Es kamen also nur die englischsprachigen Zuschauer in Schwarzeneggers Akzent Genuss. Trotzdem Schwarzenegger auch in Deutschland Kult. Es muss also an etwas anderem liegen.

Vermutlich ist es diese ideale Mischung aus körperlicher Präsenz, situativ passenden Onelinern, die gleichzeitig den Bruch mit den herrschenden Anstandsregeln ermöglichen und natürlich der steirische Akzent, die dem Action Genre der 80er und 90er Arnies Namen aufgedrückten haben. Noch heute ist mit dem Namen Schwarzenegger auf dem Filmplakat eine gewisse Erwartungshaltung des Zuschauers verbunden. Da muss es knallen, da muss ein flotter Spruch kommen und Arnie muss alle anderen überragen. Gerade jetzt, da er nicht mehr kalifornischer Gouverneur ist und sich wieder dem Filmgeschäft widmet. Mit The Expendables 2 (2012), The Last Stand (2013) und Escape Plan (2013) liegen auch schon die erste neueren Werke aus seinem Schaffen vor und viele Fans sind sich einig, dass das nicht der Arnie von früher, aber der Arnie von heute ist. Und der Filmverleih ist froh wieder nach der alten Methode seine Filme bewerben zu können: Arnie in Action zeigen und einen Spruch aus dem alten Repertoire bringen, schon ist der Film an den Zuschauer verkauft.

Warum schreibe ich so viel über Arnold Schwarzenegger? Weil der Mann Kult ist und weil sich endlich mal jemand hingesetzt und alle Kills von ihm in Filmen gezählt hat. 509 Tode sind ihm zuzuschreiben. Wofür andere höchste Strafen erwarten würden, warten auf Arnie Lobeshymnen von Fans und der Filmindustrie. Aber vermutlich wollt ihr die Zählung selbst nachprüfen, daher sage ich nur: It’s Showtime [Running Man (1987)]

 

PS: Vor erheblicher längerer Zeit hat sich jemand gleich viel Mühe gemacht und Arnies besten Sprüche aus seinen Filmen herausgeschnitten. Ein Werk, das man sich ebenfalls mal zu Gemüte geführt haben sollte:

 

Die vierte Wand durchbrechen – Eine Top 10 Liste

Wenn man sich schon intensiver mit Filmen auseinandersetzt schadet es keines Falls sich auch ein wenig theoretisches Wissen darüber anzueignen. Die vierte Wand ist als eigentlich undurchdringliche Barriere zwischen dem Geschehen im Film (respektive auf der Bühne) und dem Publikum anzusehen. Sie trennt also die Theaterwelt von der realen Welt. Auf Theaterbühnen war meist durch ein „Aufschneiden“ der Räume die Handlung zu sehen, wobei die Schnittfläche meist eine Wand des Raumes war, die für die Welt der Handlung jedoch weiter existierte. Durchbricht eine Figur nun diese Wand und tritt mit dem Publikum durch Ansprache oder aktive Handlung in Kontakt so spricht man davon, dass die vierte Wand durchbrochen wurde. Eine Folge davon kann sein, dass für den Zuschauer die Illusion der Handlung zerstört oder das Weltbild der Figuren verändert wird.

Dieses Durchbrechen ist eine nette Spielerei in Filmen, kann jedoch auch den Plot vorantreiben oder dem Zuschauer beim Verständnis helfen, falls nötig. Wie groß die Bandbreite solcher Durchbrechungen ist und wie einfallsreich sie eingesetzt werden zeigt ein Video von WatchMojo. Dort sind die nach WatchMojos Ansicht Top 10 der besten Durchbrüche der vierten Wand aufgelistet. Ergänzend dazu gibt es noch einige lobenswerte Erwähnungen von anderen Durchbrüchen im Film, die es aber nicht in die Top 10 geschafft haben.

Mein persönlicher Höhepunkt? Der Auftritt von Marshall McLuhan in Der Stadtneurotiker (1977) weil er für mich völlig unerwartet kam und durchaus mutig war, da die Anspielung und Kenntnis über McLuhan nicht so gut verbreitet sind wie bei vielen anderen Beispielen aus dem Video.

Jetzt fehlt nur noch eine Auflistung solcher Durchbrechungen in anderen Medien wie Büchern, Fernsehshows und Games.